Webkompetenz pur

Kategorie: Fundstücke – am 12. Juli 2007

Stefan Münz, Gründer des bekannten Projekts SELFHTML, unter anderem Autor von Büchern der Verlage Addison-Wesley (Pearson) und Franzis, unterhält das Webkompetenz-Blog. Im Beitrag vom 10. Juli 2007 geht es um „Homepages und Blogs“. Angezogen durch den Titel begann ich, den Artikel zu lesen. Leider. Denn er wirft einfach alles durcheinander.

Im Artikel wimmelt es von markigen, aber inhaltsleeren Sätzen (Früher hatte der coole Zeitgenosse eine Homepage, heute betreibt er ein Blog.), von Mißverständnissen, Widersprüchen und falsch eingesetzten Begriffen. Und neben den zahlreichen Fehlern zeichnet Münz das längst überholte Bild des antiken Webs, in dem jeder Benutzer, meist ohne auf Inhalte zu achten, einfach ein bißchen HTML, CSS, animierte GIFs, Lauftexte und (damals) obligatorische Baustellenschilder auf Data Becker-Niveau zusammengewurstelt hat.

Begrifflicher Kardinalfehler ist sicherlich die Verwendung des Wortes Homepage für die eigentlich gemeinte Webseite. Selbst Wikipedia kennt mittlerweile die genaue Definition des Begriffs Homepage, der nichts anderes meint, als die Startseite eines Internetauftritts. Und um kurz Korinthen zu kacken: das Backend ist nicht die Verwaltungsoberfläche (die kurioserweise eigentlich das Frontend des Backends ist), sondern es umfasst deutlich mehr: Bei Client-Server-Anwendungen wird das auf dem Client laufende Programm als Front-end, das auf dem Server laufende als Back-end bezeichnet..

Weiter teilt er Blogger in zwei Klassen ein: einige wenige Profi-Blogger, die alles Technische von der Pike auf selbst stemmen und die Masse der Blogger, die sich lieber bei einem der zahlreichen Gratis-Blogservices anmeldet. Allerdings bemerkt er nur weniger Sätze später: Ein Blog wird im Gegensatz zu einer „Homepage“ nicht danach beurteilt, wie schön es aussieht, sondern ob sich darin inhaltlich etwas tut.. Was nun? Ist ein Blogger ein guter Blogger, weil er gute Inhalte schreibt, oder weil er sich die Zeit genommen hat, ein Wordpress-Template anzupassen? Ist jetzt ein Blogger, der auf einen Blogservice zurückgreift, nur deshalb ein schlechter Blogger? Anmerkung: Stefan Münz nutzt für sein Webkompetenz-Blog den BlogserviceBlogger“ von Google.

Später erklärt Münz mir, was die Unterschiede zwischen Blogs und Homepages seien. Blogs, so schreibt er, seien chronologisch sortiert, Homepages thematisch. Nun ja, mir würden da zusätzlich noch Feeds einfallen, Pings, Trackbacks, der Community-Gedanke, Kommentare (die im Webkompetenz-Blog dem Hinweis auf ein dazugehöriges Forum gewichen sind), Badges, Widgets und vieles mehr.

Am meisten geschockt hat mich jedoch folgende Passage: Allerdings stellt sich in vielen Fällen die Frage, von wem man eigentlich aufgefunden werden will. Muss es immer die ganze Welt sein? Wer eine elektronische Visitenkarte ins Netz stellt, braucht nicht tausende von Besuchern, sondern hat eine Webadresse, die er auf einer echten Visitenkarte abdrucken kann. Es genügt, wenn sich Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner, die eine solche Visitenkarte erhalten haben, unter der angegebenen Adresse schlauer machen können. Der Google-Bot wird gar nicht benötigt.. Richtig. Wer will schon gefunden werden, oder gar besucht?

Eine zugängliche, standardkonforme und individuelle Edel-Homepage Webseite wird von Münz nur für Egomanen und Aufsässige empfohlen. Und eben jener Zielgruppe wird als Alternative nun ein Wiki angeboten, dass um die wesentlichen Bestandteile eines Wikis beschnitten, und so als Content Management System mißbraucht werden soll. Dazu möchte ich nur die Definition zitieren, die in der Wikipedia zum Thema Wiki zu finden ist: Ein Wiki […] ist eine im World Wide Web verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden kann.. Und eben nicht nur von einem Benutzer.

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