BarCamp Berlin 3

Kategorie: Veranstaltungen – am 28. Oktober 2008

Begrüßung auf der gigantischen Video Wall in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG

Viel ist geschrieben worden über das BarCamp Berlin 3. Ich möchte nicht noch einen Bericht schreiben, der die Sessions lobt, die Akustik (zurecht) bemängelt oder das Catering als zu schmal bezeichnet. Vielmehr möchte ich feststellen, dass das BarCamp so, wie es gerade in Berlin stattfand, bisher an der Spitze einer Evolution der Unkonferenzen steht. Einst aus dem Bestreben entstanden, der Antagonist der hässlichen Kommerz-Konferenzen zu sein, mauserte sich die BarCamp-Szene hier in Deutschland von Garagen-Events zu durchgeplanten, perfekt inszenierten Unkonferenzen. Das BarCamp Berlin 3 war in der Tat besser geplant und sympathischer präsentiert, als kommerzielle Pendants – das war nicht zuletzt durch die unermüdliche Arbeit eines engagierten Orga-Teams möglich.

Die vorherrschende Frage in Interviews vor Ort und in Unterhaltungen zwischen Teilnehmern war: „Besitzt dieses BarCamp noch den Charme eines Garagen-Events?“ – die Antwort muss natürlich: „Nein“ lauten. Wie auch? Atemberaubende 695 angemeldete Teilnehmer, Location im Hauptquartier der Datenverlierers Nr. 1 und Mitarbeiterbespitzlers Nr. 2 (direkt nach Lidl), nämlich bei der Deutschen Telekom AG in der Französischen Straße, Bodyguards an den Türen, die sich eindringlich nach den Badges erkundigen, zwei Parties mit nahezu komplett kostenlosen Getränken und einer Sponsorenliste, die vorzulesen länger dauern würde als eine ausführliche Vorstellungsrunde aller Teilnehmer – das alles sind keine gewöhnlichen Zutaten von BarCamps.

Und ist jetzt das BarCamp Berlin 3 deshalb schlecht gewesen? Nein. Es lässt sich wenig vergleichen mit anderen deutschen BarCamps, schon allein dadurch, dass es das einzige internationale und damit mehrheitlich englischsprachige BarCamp in Deutschland ist. Nur weil es nicht mehr den Charme eines Garagen-Events besitzt, hat es nicht implizit an Qualität eingebüßt. Und an der fragwürdigen Qualität einiger Sessions ist die Organisation des BarCamps nicht beteiligt – sie stellt lediglich eine Plattform zur Verfügung. Als Teilnehmer dann dort aufzulaufen und sich über das einseitige Catering zu beklagen, ist bei einer Unkonferenz unangebracht. Wir sind nicht zum Essen da, sondern zum Lernen und Lehren, für den Austausch. Da bricht man sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man mal um’s Eck zu Subway oder McDonalds läuft. Und auch die Klage, dass das BarCamp-Konzept immer mehr zum Mainstream wird, ist unangebracht. Es durchläuft einfach die Evolution eines jeden erfolgreichen Konzepts. Erst ist es ein Geheimtipp (Charme inklusive), dann wird es Mainstream, bis es schließlich zuerst bei den Kennern uncool wird, und schließlich bei der gesamten Zielgruppe. Das ist nunmal der Lauf der Dinge.

Der gewachsene und gelernte Aufbau aus Anmeldung im Wiki, Vorstellungsrunde und Session-Wand ist zwar charmant, stößt aber bereits bei Teilnehmerzahlen wie denen des BarCamp Berlin 3 an seine Grenzen. Wie auch schon beim BarCamp Munich 2008 müssen straffere Organisation und gute Planung bieten, was reine Selbstorganisation bei einer großen Menge Teilnehmer in einem so kurzen Zeitraum und im Rahmen des unveränderten BarCamp-Konzepts nicht geschafft hätte.

Und jetzt hören wir auf, uns über Charmeverlust und kommerzielle Atmosphäre zu beklagen und fangen an, wie wir das Konzept BarCamp zukunftsfähig entwickeln können, so dass es nicht nur attraktiv bleibt, sondern auch skalierbar wird.

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1 Kommentar »

  1. [...] die Akustik (zurecht) bemängelt oder das Catering als zu schmal bezeichnet.” (siehe auch blog.nitzsche.info). Damit hat er “inhaltlich” natürlich Recht, denn viele Aspekte sind bereits [...]

    Pingback von BarCampBerlin 3: Rückblick und Ausblick | hirnrinde.de — am 28. Oktober 2008 um 12:16

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