Usability (Folge 6): Sprachwahl

Kategorie: Usability – am 09. Dezember 2008

Die Positionierung der Sprachwahl auf der internationalen Seite von Hewlett-Packard

Sprache ist einer der Schlüssel zum Verständnis von Webseiten und der Schlüssel für das Verständnis des Inhalts. Wieso also sollte man es seinen Benutzern schwer machen, die bevorzugte Sprache auszuwählen? Für die internationale Seite von Hewlett-Packard (die von mir schon zweimal durch den Kakao gezogen wurde), hat man sich etwas ganz pfiffiges einfallen lassen:

Die Sprachwahl besteht hier aus einem Drop-Down-Feld, die natürlich entgegen der Interface Design-Richtlinie: „Benutze Interaktionselemente, die der Benutzer bereits kennt!“ nicht so aussehen, wie normale Select-Boxen. Würde dann zwar besser funktionieren, sähe aber nicht so schön aus.

Auch im Verhalten weicht dieses Element vom Gelernten ab. Es klappt bereits On-Mouse-Over auf, wie überall auf der Seite von Hewlett-Packard, selbst bei den Reitern der globalen Seitennavigation. Ein Label für dieses Element wird vorsorglich per CSS versteckt (obwohl links neben der Sprachwahl luxuriös viel Platz gewesen wäre), denn man darf es dem Benutzer nicht zu einfach machen. Im Ernst: ob man dem Benutzer nun unbedingt den kognitiven Aufwand abverlangen muss, zu erkennen, dass es sich hier um die Sprachwahl handelt – darüber kann (und sollte) man streiten.

Den neutralen Initialwert „Language“ innerhalb der Optionen des Drop-Down-Felds sucht man vergeblich. Stattdessen findet man per Default in der internationalen Seite die Option „United States-English“ vorausgewählt, obwohl man, wenn man das Element öffnet, zunächst nur alphabetische Kategorien erhält. Muss die per Default ausgewählte Option nicht Teil der wählbaren Optionen auf der ersten Ebene sein, wie es technisch bei einer gewöhnlichen Select-Box gar nicht anders möglich wäre?

Die geöffnete erste Ebene der Sprachwahl von Hewlett-Packard

Allerdings der Inhalt des Menüs – man erwartet hier … ja, was eigentlich: Sprachen? – enttäuscht dann schon wieder. Einträge wie „A through B“ und „C through D“ teilen die wählbaren Sprachen alphabetisch ein. Berührt man mit dem Mauszeiger die Einträge, klappt die jeweilige Liste nach links aus, ohne auch dieses abweichende Verhalten z.B. durch einen Pfeil zu symbolisieren. Zusätzlich als problematisch erweist es sich, dass eine Mischform zwischen der Anmutung einer klassischen Select-Box und einem Drop-Down-Menü gewählt wurde, denn die Verschachtelung ist eindeutig nicht Merkmal eines gewöhnlichen Formularelements, wie man es zu benutzen gelernt hat.

Auch die Tastaturnavigation funktioniert nicht, wie man es bei einem Formularfeld erwartet hätte – die Eingabe des ersten Buchstaben der gewünschten Sprache zeigt keine Wirkung, da das Interaktionselement nicht durch die Rendering Engine oder das Betriebssystem gezeichnet ist. Auch die Navigation mit den Pfeiltasten arbeitet nicht – man muss die Tabulator-Taste bemühen und seine Wahl jeweils mit Enter bestätigen.

Die Benutzung eines verschachtelten Drop-Down-Menüs ist kognitiv und motorisch am aufwändigsten. Wieso es dann ausgerechnet dafür verwendet wird, die Grundlage für das Verständnis der Seite zu wählen, ist nur schwer verständlich. Allein die Positionierung der Sprachwahl auf der Webseite ist angelehnt an die Benutzergewohnheiten – aber das ist eigentlich kaum erwähnenswert. Hewlett-Packard hat hier versucht, die klassische Select-Box zu optimieren, um die Sprachwahl einfacher zu gestalten – was allerdings genau das Gegenteil bewirkt hat. Es ist komplizierter geworden.

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