Was Microsoft mit seinen Windows-Bezeichungen verursacht, ist Konfusion. Ich habe mich kürzlich bei dem Versuch ertappt, irgendeine Art von Konsistenz zu finden. Zwar heißen alle „Microsoft Windows“, aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Die Namen der Client-Betriebssysteme gehorchten nahezu mit jeder Version neuen Konventionen. In diesem kurzen Beitrag möchte ich jedoch nur einen Blick auf die Client-Betriebssysteme werfen.
Begonnen hatte alles geordnet. Die ersten Versionen wurden einfach durchnummeriert: 1.0, 2.0, 3.0. Die darauf folgenden Versionen 3.1 und 3.11 markierten kleinere Entwicklungsschritte – trotzdem erkennt man hier noch die Bemühung, Konsistenz zu wahren, obwohl die Version „for Workgroups“ bereits einen Zusatz ins Rennen warf, um auf die integrierte Netzwerkfähigkeit hinzuweisen. Mit Windows 95 tauschte man die Versionsnummer gegen die Jahreszahl aus, gleichzeitig stufte man die nächsten Entwicklungsschritte mit den Buchstaben a, b und c ab.
Schon die folgende Version, die sich weiterhin an die Jahreszahl-Konvention hielt, Windows 98, machte aber mit der Konvention für die Zwischenversionen Schluss – hier nannte man die dringend nötige Verbesserung „Second Edition“. Windows Me, der bisherige Tiefpunkt der Windows-Entwicklung, bezog sich als Abkürzung der klangvollen Bezeichnung „Millenium Edition“ zwar ebenfalls auf den Erscheinungszeitpunkt, allerdings versteckte Microsoft das geschickt.
Mit der Version Windows Me endete die Windows 9x-Linie zu Recht und Gunsten der professionellen Windows NT-Linie (NT für „New Technology“), die es parallel schon seit 1993 gab. Die erste Version von Windows NT startete mit der Versionsnummer 3.1. Obwohl die Version dem Pendant ohne den Zusatz „NT“ zum Verwechseln ähnlich sah, basiert die NT-Linie nicht auf dem 32-Bit MS-DOS-System, sondern auf einem eigenen Kernel. Mit den folgenden Versionen 3.5, 3.51 und 4.0 ging es munter weiter, während die MS-DOS-basierte Version Windows 95 schon auf eine Jahreszahl hörte.
Bis zum Jahr 2000 konnten keinerlei Konventionen gebrochen werden, erst da erschien parallel zu Windows Me die NT-basierte Version Windows 2000 Professional. Hier schaffte man es, mit dem Erscheinen einer Version gleich drei Konventionen zu brechen – die Nummerierung 4.0 wich der Jahreszahl 2000, die Client-Variante, bisher „Workstation“, wurde zu „Professional“ umbenannt, und das Kürzel NT fiel weg. Immerhin wurde im Hintergrund die Nummerierung mit der Bezeichnung „NT 5.0“ weiterhin beibehalten.
Das Jahr 2000 war nun auch das letzte, in dem es separate Betriebssysteme für den privaten und professionellen Einsatz gab. Mit Windows XP, das Ende 2001 erschien, wurde nun endlich die Jahreszahl-Konvention gebrochen – es wurde aber auch Zeit! Microsoft wendet sich wieder kruden Abkürzungen von Marketing-Schlagworten zu, wie schon bei Windows Me: Das XP im Produktnahmen steht für „Experience“. Marketing-Geniestreich ist der Versuch Microsofts, der rasanten Verbreitung von Raubkopien ihres Betriebssystems in Entwicklungsländern vorzubeugen: die Windows XP Starter Edition. Sie ist extrem günstig zu haben – dafür aber zu einem hohen Preis auf Seiten der Funktionalität: man darf beispielsweise nur drei (32-Bit-) Programme gleichzeitig öffnen. Windows XP läuft unter der NT-Versionsnummer 5.1 und deutet damit an, dass der technologische Fortschritt zwischen Windows 2000 und Windows XP nicht sonderlich groß war.
Die Namen der zwischen den Major Releases liegenden Entwicklungsschritte – mehrheitlich Bugfixes – heißen seit dem Verschmelzen der Windows 9x-Linie mit der Windows NT-Linie einheitlich „Service Packs“, wie vorher schon bei der NT-Linie üblich. Immerhin hat sich diese Konvention bis heute bewährt.
Mit der Einführung eines einheitlichen Betriebssystems für private und professionelle Nutzung wurde die Schaffung verschiedener Varianten notwendig. Natürlich übertrieb es Microsoft auch da: 16 Versionen des Client-Betriebssystems wurden eingeführt. Einen Zungenbrecher stellte dabei die Bezeichnung „Windows XP 64-Bit Edition für 64-Bit Extended Systems“ dar – Microsoft erkannte das allerdings erst kurz nach Erscheinen dieser Variante und entschied sich für den Namen „Microsoft Windows XP Professional x64 Edition“. Teilweise unterschieden sich die Windows XP-Varianten in relativ wenigen Faktoren – dadurch stiegen Konfusion und Unwillen zum Upgrade. Die Krönung des Ganzen war jedoch Microsofts Unfähigkeit, eine Möglichkeit zum Upgrade der Varianten untereinander anzubieten.
Microsofts nächste Version des Windows-Betriebssystems, Vista, erschien Ende 2006 im Rahmen von Volumenlizenzen und Verträgen für professionelle und Anfang 2007 für private Nutzer. Vista, was seiner Bedeutung nach wohl am ehesten mit „Aussicht“ übersetzt werden kann, war ein weiteres Glied in der Kette der Inkosistenzen – wieso hier auch mit Traditionen brechen? Anekdote: Die Letten lachten derweil über den neuen Namen, der in Lettisch soviel wie „Hühnchen“ oder „alte Jungfer“ bedeutet. Intern arbeitet Vista als NT-Version 6.0.
Das neue Windows, derzeit bereits zu Testzwecken als Beta-Version verfügbar, greift wieder auf die alte Nummerierung zurück, allerdings in diesem Fall auf die NT-Version 7.0 6.1: Falls Microsoft die Bezeichnung nicht mehr ändert, wird die voraussichtlich Anfang 2010 erscheinende Version „Windows 7“ heißen.
Endlich. Gut gemacht.
| Jahr | Bezeichnung | Varianten |
|---|---|---|
| 1985 | Windows 1.0 |
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| 1987 | Windows 2.0 |
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| 1990 | Windows 3.0 |
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| 1992 | Windows 3.1 |
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| 1993 | Windows NT 3.1 |
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| 1993 | Windows 3.11 |
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| 1994 | Windows NT 3.5 |
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| 1994 | Windows 3.2 (nur China) |
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| 1995 | Windows NT 3.51 |
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| 1995 | Windows 95 |
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| 1996 | Windows NT 4.0 |
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| 1998 | Windows 98 |
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| 2000 | Windows Me |
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| 2000 | Windows 2000 |
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| 2001 | Windows XP |
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| 2006/2007 | Windows Vista |
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| 2010 | Windows 7 |
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3. September 2008: Findability: Semantic Web
Die spinnen doch, die Redmonder.
Kommentar von Dennis Frank — am 18. Januar 2009 um 23:26
Wofür steht das N?
Kommentar von Sascha — am 18. Januar 2009 um 23:45
Das „N“ steht für die Windows XP Editionen ohne Media Player – also für „not with Media Player“. Zuvor nannte Microsoft sie „Windows XP Reduced Media Edition“, musste allerdings auf Druck der EU diesen Namen fallen lassen – sie sah im Namen des Produkts eine „diskriminierende Gestaltung“. Vorausgegangen war dieser Entscheidung eine Niederlage Microsofts im Prozess um zu tief ins Betriebssystem integrierte Komponenten.
Kommentar von Stefan Nitzsche — am 18. Januar 2009 um 23:53
Windows XP läuft unter der Versionsnummer 5.1, die 64 Bit-Version hat die Nr. 5.2 (weil auf dem Windows 2003-Kernel basierend). Vistas NT-Version ist 6.
Grüße,
Dominik
Kommentar von DMKE — am 19. Januar 2009 um 01:31
Achso: Die Versionsnummer von Windows 7 wird 6.1 sein. Soviel zum „Endlich. Gut gemacht.“
Dominik
Kommentar von DMKE — am 19. Januar 2009 um 01:35
@Dominik: Oha. Doch nicht gut gemacht. Danke für den Hinweis – gleich korrigiert! Hätte mir eigentlich direkt komisch vorkommen müssen, dass Microsoft plötzlich etwas richtig macht …
Kommentar von Stefan Nitzsche — am 19. Januar 2009 um 01:44
@Stefan @Dominik
Doch, zumindest die Nachkommastella ist gut gemeint & gemacht. Denn die Versionsnummer 6.1 von Windows 7 garantiert jedem zukünftigen Windows 7 Nutzer Kompatibilität mit Software, die für frühere Versionen programmiert wurden.
Steht aber leider nur in einem Nebensatz (des u.a. von Dominik verlinkten Blogartikels)
Was die Vielzahl der Windows-Versionen angeht, bin ich aber gespannt, ob 7 seine Vorgänger toppen wird
Grüße,
Cordo
Kommentar von A.C. — am 25. Februar 2009 um 02:13