Sind Sie ein Webdesigner oder ein Webdekorateur?

Stefan Nitzsche, 11. März 2008

Übersetzung des englischen Artikels „Are You a Web Designer or a Web Decorator?“ im englischen Blog von Jens Meiert.

Inhalt:

Das beschäftigt mich schon eine ganze Weile – es kam auf, als ich über Kunst und Design nachdachte und es brach aus, als Roger [Johannson, Anmerkung des Übersetzers] neulich fragte, ob wir nun Designer oder Entwickler seien: Unsere Branche ist ziemlich kreativ, wenn es darum geht, neue und/oder seltsame Berufsbezeichnungen zu erfinden, aber es fehlt der offensichtlichste, nämlich „Webdekorateur“.

„Webdekorateur“ ist in der Tat keine seltsame Berufsbezeichnung, sondern beinahe eine richtige Bezeichnung für einen falschen Beruf, wenn man kann davon ausgeht, dass es wichtigeres zu tun gibt, als zu dekorieren. Aus meiner Sicht sollte sie – oder könnte zumindest – die Berufsbezeichnung für die meisten so genannten Webdesigner sein, aber auch für einige Entwickler, wenn sie sich um Designzeug kümmern oder Code ausstaffieren.

Wie Sie sagen können, ob Sie ein Webdesigner sind – oder nicht …

Grundsätzlich gibt es zwei Dinge, an denen man festmachen kann, dass Sie nicht nur Dekorateur sind:

Abbildungen

Ich konnte mir nicht verkneifen, die aktuelle Situation in unserer Branche hinsichtlich Webdesignern und Webentwicklern zu illustrieren. Es ist nur eine grobe, vorsetzlich mangelhafte Spielerei eines Mannes, der seiner ersten Arbeitsstelle bereits die Berufsbezeichnung „Webdekorateur“ verpasst hat.

Die Abbildung zeigt eine Menge an Webdesignern, eine Menge an Webentwicklern und die geringe Schnittmenge.

Abbildung 1: Webdesigner, Webentwickler, Webdesigner und -entwickler.

Die Abbildung zeigt eine Menge an Webdesignern, eine Menge an Webentwicklern und den Anteil an Webdekorateuren in beiden Mengen.

Abbildung 2: Die – überspitzte? – Wahrheit.

Sie fragen sich, wieso so viele Webentwickler betroffen sind? Lassen Sie uns lieber fragen, wieso so viele Webentwickler es fertig bringen, ihren Code zu „dekorieren“.

Ich weiß, dass ich vereinfache und übertreibe, was ich gern tue, durchaus auch aus guten Gründen. Die Sache ist die: die meisten Webseiten dort draußen tragen nicht das Gütesiegel eines professionellen Gestalters oder Entwicklers. Das zielt jedoch nicht auf private Webseiten ab, die sich mit Dingen jenseits von Webdesign und Webentwicklung beschäftigen, und kann in anderen Fällen möglicherweise mit dem berüchtigten Zitat erklärt werden (Dank an Ralph Caplan):

„Ein Kamel ist ein Pferd, das von einem Komitee entworfen wurde.“

Abschließende Worte

Fühlen Sie sich durch meinen Text oder meine Leidenschaft nicht angegriffen. Denken Sie über das Problem nach, während ich noch zwei beruhigende Dinge ergänze: Unsere Branche ist noch immer sehr jung und Menschen können nicht notwendigerweise als erfahrene, professionelle Designer oder Entwickler beginnen. Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Erfahrungen mit ihnen zu teilen und sie zu führen. Auch hat Dekoration auf jeden Fall ihre Legitimation, da sie eine „emotionale Komponente“ enthält und, wenn gut gemacht, einiges Können erfordert. Gute Fachleute sollten entsprechend auch „professionelle Webdekorateure“ genannt werden können – ohne negatives Konnotat.

Hinweise zu dieser Übersetzung

Die Veröffentlichung dieses Übersetzung geschieht mit freundlicher Genehmigung von Jens Meiert. Der Inhalt ist urheberrechtlich geschützt – maßgeblich sind eventuelle Hinweise im englischen Originaldokument.

Bemerkungen/Erklärungen

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